Gedanken zum Umweltschutz

Diese Worte habe ich im Buch Micro von Michael Crichton und Richard Preston gefunden. Ich kann Michael Crichton nur beipflichten!

Der berühmte Tierfilmer David Attenborough äußerte sich kürzlich besorgt darüber, dass die Schulkinder von heute nicht einmal mehr die Namen häufig vorkommender Pflanzen und Insekten kennen, während frühere Generationen damit keine Probleme hatten. Offenbar ist es Kindern heute nicht mehr möglich, Natur direkt zu erleben und in freier Natur zu spielen.

Dafür werden verschiedene Gründe angeführt: Die Kinder wachsen in der Stadt auf, es gibt kaum noch naturbelassene Gebiete, die Kinder verbringen zu viel Zeit am Computer und im Internet und haben einen vollen Terminplan. Alles läuft jedenfalls darauf hinaus, dass Kinder nicht mehr mit der Natur in Berührung kommen und keine unmittelbaren Erfahrungen in der Natur machen. Und das ironischerweise in einer Zeit, in der im Westen das Umweltbewusstsein wächst und immer ehrgeizigere Maßnahmen zum Umweltschutz erlassen werden. Kinder im Sinne des Umweltschutzes zu erziehen ist ein Kerngedanke der Umweltschutzbewegung, entsprechend wird Kindern nun beigebracht, etwas zu schützen, von dem sie keine Ahnung haben. Dieser Ansatz ist zwar gut gemeint, hat der Umwelt bisher jedoch mehr geschadet als genützt -als wichtige Beispiele sind die Vernachlässigung der amerikanischen Nationalparks oder die Maßnahmen zur Verhinderung von Waldbränden in den USA zu nennen. Eine derartige Politik hätte sich nie umsetzen lassen, wenn die Menschen die Natur, die sie zu schützen versuchen, wirklich kennen würden.

Dabei dachte der Mensch tatsachlich, er wusste Bescheid. Und man kann annehmen, dass die neue Generation Schulkinder noch überzeugter von sich sein wird. Heute wird in den Schulen gelehrt, dass es eine Antwort auf jede Frage gibt; erst im wahren Leben erkennen die Jugendlichen, dass vieles im Leben ungewiss und geheimnisvoll ist und der Mensch manches einfach nicht weiß. Wenn man Gelegenheit hatte, in der freien Natur zu spielen, wenn man von einem Käfer mit stinkendem Sekret bespritzt wurde, wenn man erlebt hat, wie die Farbe eines Schmetterlingsflügels an den Fingern haften bleibt, wenn man gesehen hat, wie eine Raupe ihren Kokon spinnt, bekommt man ein Gefühl für das Geheimnisvolle und Ungewisse. Je mehr man beobachtet, desto geheimnisvoller wirkt die Natur und desto mehr erkennt man, wie wenig man eigentlich weiß. Neben der Schönheit lernt man, dass es in der Natur auch Fruchtbarkeit gibt, Verschwendung, Aggressivität, Rücksichtslosigkeit, Schmarotzertum und Gewalttätigkeit – Eigenschaften, die in den Lehrbüchern vernachlässigt werden.

Die wichtigste Lehre, die man aus der direkten Erfahrung zieht, ist vermutlich die, dass die Natur mit all ihren Elementen und Verbindungen ein komplexes System darstellt, das man nicht verstehen, geschweige denn vorhersehen kann. Man macht sich etwas vor, wenn man sich so benimmt, als ob man es könnte, so wie jemand, der glaubt, er könnte die Entwicklung am Aktienmarkt vorhersehen, der ein ähnlich komplexes System darstellt. Wenn jemand behauptet, er könne den Kurs einer Aktie vorhersagen, wissen wir, dass er entweder ein Betrüger oder ein Scharlatan ist. Wenn ein Umweltschützer ähnliche Behauptungen über die Natur oder ein Ökosystem aufstellt, haben wir noch nicht gelernt, in ihm einen falschen Propheten oder einen Dummkopf zu sehen.

Der Mensch interagiert sehr erfolgreich mit komplexen Systemen. Das tun wir ständig. Aber wir interagieren mit ihnen, ohne zu behaupten, dass wir sie verstehen. Manager interagieren mit dem System: Sie tun etwas, warten die Reaktion ab und tun dann etwas anderes, um das gewünschte Resultat zu erzielen. Ein sich ständig wiederholender Prozess, bei dem man zugibt, dass man nicht sicher wissen kann, wie das System reagieren wird – man muss abwarten und schauen, was kommt. Wir haben vielleicht eine Ahnung. Vielleicht haben wir sogar meistens recht. Aber wir können uns nie sicher sein. Im Umgang mit der Natur ist uns Gewissheit verwehrt. Und das wird auch immer so bleiben.

Wie können junge Menschen nun Erfahrungen in der freien Natur sammeln? Idealerweise bei einem Aufenthalt im tropischen Regenwald – diesem enormen, unwirtlichen, beunruhigenden und faszinierenden Gebiet, das uns schnell eines Besseren belehrt, was unsere vorgefassten Meinungen betrifft.

Unvollendeter Text

Michael Crichton, 28. September 2008

 

 

 

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